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Die Entwicklung der Welpen beim Züchter


Zeitplan für die Welpensozialisierung: 


Du bringst deinen 10 Wochen alten Welpen nach Hause und erhältst sofort widersprüchliche Ratschläge: „Geh nirgendwohin, bis er mit 16 Wochen voll geimpft ist!“ gegenüber „Du musst ihn vor der 14. Woche sozialisieren, sonst hat er für immer Verhaltensprobleme!“ Währenddessen wächst dein Welpe so schnell, dass du mit seiner Entwicklung kaum Schritt halten kannst.
Willkommen im Dilemma der Welpensozialisierung – ein enges Zeitfenster, das entscheidend für die zukünftige Zufriedenheit und das Selbstvertrauen deines Hundes ist, aber voller scheinbarer Widersprüche zwischen Sicherheit und Notwendigkeit steckt. Die Wahrheit ist: Du kannst es dir nicht leisten, mit der Sozialisierung zu warten, bis die Impfungen abgeschlossen sind, aber du darfst Gesundheitsrisiken auch nicht ignorieren.
Wenn du genau verstehst, was wann passiert, kannst du fundierte Entscheidungen treffen, die Sicherheit und die dringende Notwendigkeit positiver Erfahrungen in Einklang bringen. Verpasst du dieses Fenster, wirst du Jahre damit verbringen, Probleme zu beheben, die in diesen ersten Monaten leicht hätten verhindert werden können.


Die kritische Sozialisierungsphase verstehen


Die Frühstimulation von Welpen in den ersten zwei Lebenswochen (neonatale Phase) zielt darauf ab, durch sanfte, tägliche Reize (Tag 3-16) das Nervensystem zu fördern, Stressresistenz, Herz-Kreislauf-Funktion und das Immunsystem zu stärken. Methoden wie das „Bio-Sensoring“ (Early Neurological Stimulation) beinhalten Berührungen, Positionswechsel und Temperaturreize für wenige Sekunden. Wichtige Maßnahmen in den ersten 2 Wochen: Ruhe und Sicherheit: Die Welpen schlafen ca. \(90\%\) des Tages. Eine ruhige Umgebung ohne viel Besuch ist wichtig, um die Bindung zur Mutter und die Entwicklung zu fördern. 




Early Neurological Stimulation (ENS): Fünf Übungen, die jeweils 3-5 Sekunden dauern:
Taststimulation: Kitzeln zwischen den Zehen mit einem Wattestäbchen.
Kopf aufrecht: Welpe wird senkrecht gehalten, Kopf oben.
Kopf unten: Welpe wird senkrecht gehalten, Kopf unten.
Rückenlage: Welpe ruht auf dem Rücken in den Händen.
Thermische Stimulation: Welpe wird auf ein feuchtes, kühles Tuch gesetzt (für ca. 3-5 Sek.). Häufiges Anfassen: Tägliches kurzes Hochheben und sanftes Berühren am ganzen Körper gewöhnt Welpen an Menschen und beugt Scheu vor.
Geruchs- und Umgebungsreize: Vorsichtige Gewöhnung an Gerüche oder leise Alltagsgeräusche (z.B. Radio).
Wiegen: Tägliche Gewichtskontrolle zur Überwachung der Entwicklung. 

Die Frühförderung sollte sehr behutsam erfolgen, um die Welpen nicht zu überfordern. Der Schwerpunkt in der ersten Lebenswoche liegt auf Ruhe, Wärme und Nahrungssicherung, während ab der zweiten Woche die Sinne (Augen/Ohren) beginnen sich zu öffnen. 


Die Phase zwischen der 3. und 14. Woche ist die Zeit, in der das Gehirn neurologisch darauf programmiert ist, neue Erfahrungen als normalen Teil des Lebens zu akzeptieren. Dies ist kein bloßes „Training“ – es ist ein biologisches Fenster, das sich dauerhaft schließt.

  • Warum diese Phase neurologisch besonders ist: In diesen Wochen produziert das Gehirn hohe Mengen an Neurotransmittern, die Welpen neugierig und weniger furchtsam machen. Nach etwa 14 Wochen werden Hunde von Natur aus vorsichtiger gegenüber Unbekanntem – eine evolutionäre Anpassung zum Überleben in der Wildnis.
  • Die Folgen eines verpassten Fensters: Welpen ohne ausreichende Sozialisierung entwickeln oft angstbasiertes Verhalten, Reaktivität und Angststörungen, die im Erwachsenenalter aufwendige Therapien erfordern.
  • Individuelle Variationen: Während 3–14 Wochen der Durchschnitt sind, schließen sich Fenster bei manchen Hunden früher oder später. Große Rassen haben oft etwas längere Fenster, aber man sollte sich nicht darauf verlassen.
  • Qualität vor Quantität: Es ist besser, wenige, aber hochgradig positive Erlebnisse zu haben als viele neutrale oder negative. Jede Interaktion in dieser Zeit hat eine bleibende Wirkung.

Entwicklung und Sozialisierung Woche für Woche


Woche 2-4: Sensorische Entwicklung: Augen und Ohren öffnen sich. Erste Interaktionen mit Wurfgeschwistern. Seriöse Züchter nutzen hier bereits Frühstimulation

  • Woche 5–7: Grundlegende soziale Fähigkeiten: Welpen lernen Beißhemmung von Mutter und Geschwistern. Dies ist der Grund, warum sie nicht vor der 8. Woche getrennt werden sollten.
  • Woche 8: Übergangsphase: Der Einzug ins neue Zuhause. Der Stress der Trennung macht sie kurzzeitig vorsichtiger. Fokus auf Sicherheit im neuen Heim. Ich gebe meine Hunde allerdings frühestens in der 10. Woche ab. Die Erfahrungen, die die Welpen im Rudel von den adulten Hunden lernen, sind essentiell für ein glückliches Hundeleben.
  • Woche 9: Die Neugier kehrt zurück: Ein exzellenter Zeitpunkt, um mit kontrollierten Aktivitäten zu beginnen. Das Selbstvertrauen steigt.
  • Woche 10–12: Hauptsozialisierungsphase: Das absolute Hochplateau. Fokus auf neue Menschen, Umgebungen und positive Kontakte mit gesunden, geimpften Hunden.
  • Woche 13–16: Schließen des Fensters: Die natürliche Skepsis gegenüber Neuem nimmt zu. Sozialisierung fortsetzen, aber mit mehr Geduld und positiver Verstärkung.


Qualität vor Quantität bei Begegnungen

Jede Person, die dein Welpe trifft, sollte eine positive Verknüpfung hinterlassen. Kurze, positive Interaktionen, bei denen Fremde Leckerlis geben und dem Welpen sanfte Aufmerksamkeit schenken, funktionieren besser als erzwungene, lange Begegnungen, die den Welpen überfordern könnten.




Die Liste der 100 Erfahrungen


Über Menschen hinaus brauchen Welpen Kontakt zu verschiedenen Umgebungen, Geräuschen, Oberflächen und Situationen. Dazu gehören Autofahrten, Tierarztbesuche, verschiedene Bodenbeläge, Treppen, Aufzüge und unterschiedliche Wetterbedingungen.


Jede Erfahrung positiv gestalten


Verknüpfe neue Erfahrungen mit Dingen, die dein Welpe liebt – Leckerlis, Spiel oder Aufmerksamkeit. Wenn dein Welpe Angst zu haben scheint, erzwinge die Interaktion nicht. Halte stattdessen Abstand und verknüpfe den Anblick des Unheimlichen mit positiven Ergebnissen.


Sichere Strategien zur Sozialisierung vor dem Impfschutz


Der Schlüssel zur sicheren frühen Sozialisierung liegt darin, die Umgebung zu kontrollieren und gesunde, geimpfte Hunde auszuwählen, während man Hochrisikogebiete meidet.


Welpenpartys zu Hause: Lade Freunde und Familie ein, deinen Welpen in deiner kontrollierten häuslichen Umgebung kennenzulernen. Bitte Besucher, die Schuhe auszuziehen und sich die Hände zu waschen. Dies ermöglicht Kontakt zu Menschen ohne Krankheitsrisiko.

  • Trage-Sozialisierung: Nimm deinen Welpen auf dem Arm oder in einer Tragetasche mit an Orte, bevor er sicher auf dem Boden laufen kann. So kann er neue Anblicke, Geräusche und Gerüche erleben, ohne mit potenziell kontaminierten Flächen in Berührung zu kommen.
  • Private Welpen-Spieltreffen: Organisiere Treffen mit gesunden, vollständig geimpften erwachsenen Hunden, von denen bekannt ist, dass sie sanft mit Welpen umgehen. Diese sollten in privaten Häusern oder Gärten stattfinden, nicht in öffentlichen Bereichen.
  • Kontrollierter öffentlicher Kontakt: Besuche tierfreundliche Geschäfte, in denen der Welpe getragen werden kann. Viele Läden erlauben es, Welpen in Einkaufswagen mitzunehmen, wenn diese mit einer Decke ausgelegt sind.
  • Auto-Sozialisierung: Regelmäßige Autofahrten gewöhnen den Welpen sicher an neue Umgebungen und bauen eine positive Verbindung zum Reisen auf. Halte an verschiedenen Orten an und lass deinen Welpen sicher aus dem Auto heraus beobachten. 
  • Häufige Fehler bei der Sozialisierung und deren Vermeidung


Gutmeinende Hundebesitzer machen oft Fehler, die den Fortschritt eher behindern als fördern.


  • Welpen mit zu viel auf einmal überfordern: Übereilte Sozialisierung kann Angst statt Vertrauen schaffen. Eine schrittweise Gewöhnung, die es dem Welpen ermöglicht, Erlebtes zu verarbeiten, ist besser als eine Reizüberflutung.
  • Interaktionen bei Angst erzwingen: Wenn dein Welpe Angst zeigt, führt das Erzwingen von Nähe zu den angstauslösenden Objekten oft zu einer Verschlimmerung der Situation...





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